Ich lebe noch :)

Ihr Lieben,

ich habe die letzten 2 Monate überlebt. :-)

Am 7. Januar habe ich mich aufgrund eines etwas zu expliziten Traums und extremer Erschöpfung in die psychiatrische Klinik des Nachbarkreises fahren lassen. In völliger Unkenntnis der Gegebenheiten begab ich mich zunächst zur Aufnahme auf die geschlossene Station, wurde aber bald auf die sog. Kriseninterventionsstation hinüber gebracht und entgegen der Gepflogenheiten auch noch dort aufgenommen.

Die nächsten 5 Wochen vergingen mit Medikamentenaufdosierung, Ergotherapie, Musiktherapie, Sport, Spaziergängen, dem Lesen biographischer Bücher, Kartenspielen, Cafébesuchen und anderem mehr. Am Dienstag der 5. Woche kam das Wort Entlassung zur Sprache. Noch eine oder zwei Wochen wurden mir zugestanden.

Dazu muß ich sagen, daß in der Zwischenzeit ungefähr zweimal die Belegung der Station fast komplett gewechselt hatte. Manche Patienten blieben nur eine Woche (insbesondere aus geschäftlichen Gründen), die meisten um die drei Wochen. Kurzintervention eben. Andere wechselten auf die Langzeitstation über uns.

Das Zimmer teilte ich mit einer jungen Patientin, die den Großteil der Zeit mit dem Schauen von Serien und Schlafen zubrachte. Wir haben uns wenig unterhalten, weil wir beide irgendwie nicht das Bedürfnis danach hatten. Im Laufe der 5. Woche wurde das dritte Bett unseres Zimmers belegt - mit einer Patientin, die schon länger als wir beide da war (also nicht erst seit Anfang Januar). Daraufhin wurde es ein wenig lebendiger im Zimmer, aber immer noch recht ruhig.

Nach 6 Wochen wurde die erste Zimmerpartnerin entlassen. Als ich am Sonntag darauf in die Klinik zurückkam, wunderte ich mich, warum ein Bekannter von mir im Empfangsbereich saß. Wie sich herausstellte, hatte seine Mutter das leere Bett in meinem Zimmer bezogen.

Nach 5 Wochen hatte ich fast die vom Oberarzt geplante Zieldosis des Antidepressivums erreicht, das ich morgens nehmen sollte. Dementsprechend fragte er, ob ich noch weitere 25 mg hochgehen wollen würde. Ich sagte ihm, dann bliebe ich wohl noch 1-2 Wochen länger als geplant. Woraufhin das erstmal abgeblasen wurde. Jede Aufdosierung war mit ziemlichen Nebenwirkungen einhergegangen, die sich erst nach etwa 5 Tagen legten.

Am 28. Februar wurde ich geplant entlassen. Am 2. März ging ich zum Hausarzt, wollte mir die Rezepte für die Medikamente abholen - und bekam aus heiterem Himmel eine heftige Panikattacke. Also zurück ins Krankenhaus. Ab dem Mittwoch (4. März) wurde die Erhöhung um 25 mg dann doch noch durchgeführt und am Freitag vor einer Woche ging ich wieder nach Hause.

Die vergangenen 10 Tage habe ich recht mechanisch hinter mich gebracht, heute fühle ich mich endlich etwas besser, deshalb gibt's jetzt diesen Eintrag.

In der Zeit meiner Abwesenheit hat sich leider mein Internetrouter entschlossen, kaputt zu gehen. Seit spätestens Mitte Februar kann mich keiner mehr anrufen (es klingelte einfach nicht), seit Ende Februar kann ich auch selbst nicht mehr telefonieren. Das macht Internetaktivitäten etwas schwer, sodaß ich der @steemillu noch eine Weile fern bleiben werde. (Den Support meines Providers habe ich kontaktiert, wann das Problem gelöst wird, weiß ich noch nicht.)

Ich genieße die derzeitigen Einschränkungen bzgl. der individuellen Beweglichkeit, sie kommen meinem Zustand sehr entgegen. Einmal am Tag gehe ich trotzdem raus, solange es noch erlaubt ist.
Im Landkreis sind u.a. Vereinsveranstaltungen bis Mitte April ausgesetzt, Kindergärten, Krippen und Schulen ab Montag geschlossen, Feuerwehren setzen Übungs- und Lehrbetrieb aus.

Die Erlebnisse in den Klinikwochen könnten ein kleines Buch füllen. Vielleicht werde ich noch das eine oder andere hier erzählen. Wenn mir danach ist.

Die Erzeugnisse meiner Ergotherapiestunden werde ich zeigen, wenn das Internet wieder gescheit läuft.

Liebe Grüße an alle!

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